Risiken für Umwelt und Gesundheit

Langfristig nimmt der Pestizideinsatz mit dem Anbau herbizidresistenter gentechnisch veränderter Pflanzen zu. (Foto: courtesy gm watch)

Wie bei jeder neuen Technologie muss man sich auch bei der Gentechnik fragen, welche Auswirkungen ihr Einsatz für Mensch und Umwelt hat. Dies ist umso wichtiger, als die einmal in die Natur entlassenen gentechnisch veränderten Pflanzen nicht wieder rückholbar sind und sie sich mit anderen Pflanzen kreuzen können. Nach dem Vorsorgeprinzip sind deshalb auch diejenigen Risiken zu berücksichtigen, die sich vielleicht noch nicht 100-prozentig nachweisen lassen. Es gilt Schäden zu vermeiden, bevor sie eintreten. Denn unerwünschte Folgen einer Technologie lassen sich nach aller Erfahrung nur sehr schwer, wenn überhaupt, rückgängig machen.

Ökologische Risiken

Tatsächlich beginnt die Forschung erst nach und nach zu verstehen, wie sich das Einfügen fremder Gene in das Genom einer Pflanze oder eines Tieres im einzelnen auswirkt. Verschiedene Umweltbedingungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie das Zusammenspiel der Gene untereinander. Auch die Folgen für die sogenannten „Nichtzielorganismen“ wie Schmetterlinge und Käfer sind noch nicht umfassend geklärt.

Mit dem großflächigen Anbau von herbizidresistenten (HR-)Pflanzen in Ländern wie den USA sind jedoch bereits folgende Umweltprobleme deutlich geworden:

Resistente Unkräuter: Durch jahrelanges Spritzen mit ein und demselben Herbizid (Glyphosat) haben sich bei Unkräutern Resistenzen gebildet. Gegen diese gehen die Landwirte mit neuen Spritzmitteln vor. Studien zeigen, dass der Spritzmittelaufwand beim Anbau herbizidresistenter Pflanzen insgesamt zwar am Anfang geringer ausfällt, mit den Jahren aber wieder zunimmt. Das Auftreten resistenter Unkräuter wird von der Weed Science Society of America in einer öffentlich zugänglichen Datenbank dokumentiert: 2016 sind weltweit 26 Arten als resistent gegen den Wirkstoff Glyphosat gemeldet, die meisten davon in den USA.

Gefährdung der biologischen Vielfalt: Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass die biologische Vielfalt durch den Anbau der HR-Pflanzen abnimmt. Schmetterlinge und andere Insekten finden weniger Wild- und Blütenpflanzen an Rändern von GVO-Äckern. Das belegt unter anderem die groß angelegte britische Studie „Farm Scale Evaluations (2000–2002)“, die die Auswirkungen von herbizidresistenten Gentechnikpflanzen auf die Vielfalt von Pflanzen und Tieren auf dem Acker und in der unmittelbaren Umgebung untersucht hat.

Glyphosat wirkt sich negativ auf die Bodenfruchtbarkeit aus. Viele Gentechnik-Pflanzen wurden so verändert, dass sie Glyphosat tolerieren. (Bild: Thomas Alföldi/ Fibl)

Negative Wirkungen von Glyphosat auf Bodenfruchtbarkeit und Pflanzengesundheit: Glyphosat, der bei den meisten herbizidresistenten Pflanzen eingesetzte Wirkstoff, schädigt wichtige Bodenorganismen, behindert die Aufnahme von Mineralstoffen durch die Wurzeln und macht Pflanzen anfälliger für Krankheiten. Glyphosat wird auch nicht so rasch abgebaut wie von Monsanto dargestellt und findet sich in Oberflächen- und Grundwasser.

Kontaminationen: Die Verunreinigung von gentechnikfreiem Saatgut und Feldern, auf denen keine GVO angebaut werden sollen, ist praktisch nicht zu vermeiden. Durch den Wind werden die gentechnisch veränderten Pollen oft kilometerweit getragen, auch Rapssamen werden leicht verbreitet, weitere Verschmutzungsquellen sind Erntegeräte oder Transport- und Lagerbehältnisse. Aus diesem Grund kommt es immer wieder zu Kontaminationen.

Die gentechnisch veränderten Bt-Pflanzen, die ihr eigenes Insektengift produzieren, können ebenfalls eine Gefahr für die Umwelt darstellen:

  • Im Gegensatz zu dem auch in der ökologischen Landwirtschaft punktuell (und in seiner natürlichen Form) eingesetzten Bt-Toxin bilden transgene Bt-Pflanzen das Gift über die gesamte Vegetationsperiode. Dadurch gelangt sehr viel mehr des Toxins in die Umwelt und verbleibt dort zum Teil mehr als 200 Tage. Gefährdet sind Schmetterlinge wie der Schwalbenschwanz und das Tagpfauenauge sowie Nützlinge. Bt-Toxinhaltige Pollen können beispielsweise auf den Nahrungspflanzen von Schmetterlingen abgelagert und von den Larven verzehrt werden. Auch im Boden oder Wasser lebende Insektenlarven können betroffen sein.
  • Einige der bekämpften Insekten haben bereits eine Resistenz gegen das Bt-Toxin ausgebildet. Außerdem vermehren sich andere Schädlinge umso besser, wenn ihre Fraßkonkurrenten ausgeschaltet werden. Das zeigt sich unter anderem beim Anbau der Bt-Baumwolle in Indien.
  • Kontaminationen sind auch bei den Bt-Pflanzen nicht zu vermeiden. Davon betroffen sind nicht nur diejenigen Landwirte, die ohne Gentechnik produzieren wollen, sondern auch die Imker: Bienen unterscheiden nicht zwischen herkömmlichen Pollen und Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen. Dadurch kann der Honig der Imker so verunreinigt werden, dass er nicht mehr verkehrsfähig ist und vernichtet werden muss. Der Europäische Gerichtshof hat im September 2011 festgestellt, dass der Pollen im Honig eine Lebensmittelzutat ist. Ist Honig mit Pollen einer gentechnisch veränderten Pflanze verunreinigt, für die es keine Zulassung als Lebensmittel gibt, darf dieser nicht in Verkehr gebracht werde. Denn bei nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Pflanzen gilt die Nulltoleranz.
    Infodienst-Dossier zu Bienen, Honig und Gentechnik
Von Gentechnik-Pflanzen produzierte Bt-Toxine töten nicht nur Schädlinge, sondern nachweislich auch Marienkäferlarven. (Foto: Angelika Wolter/pixelio.de)

Die Gentechnikindustrie setzt immer mehr auf die sogenannten „Stacked Events“, „gestapelte“ gentechnisch veränderte Pflanzen, die mehrere Herbizide tolerieren und/oder gleichzeitig ein oder mehrere Bt-Toxine produzieren.

Insgesamt werden Gentech-Pflanzen fast ausschließlich in der industriellen Landwirtschaft eingesetzt. Diese setzt auf Monokulturen. Schädlinge werden durch einen möglichst flächendeckenden Einsatz von Herbiziden bekämpft. Eine nachhaltige Landwirtschaft, die Schädlinge punktuell und insbesondere durch wechselnde Fruchtfolgen bekämpft, benötigt keine Agro-Gentechnik.

Gesundheitliche Risiken

Neben den Gefahren für die Umwelt bergen transgene Pflanzen auch Risiken für die menschliche Gesundheit. Einige ergeben sich aus den Genen und Stoffen, die in den gentechnisch veränderten Pflanzen selbst enthalten sind. So werden bei der Herstellung transgener Pflanzen vielfach Antibiotikaresistenzgene als sogenannte Markergene eingesetzt. Das Problem: In der Umwelt können sich die Resistenzgene mit Bakterienstämmen verbinden. Bei diesen wirken bestimmte Antibiotika dann nicht mehr, was fatale Auswirkungen auf die Behandlungsmöglichkeiten mit Antibiotika im human- wie tiermedizinischen Bereich zur Folge haben kann.

(Foto: Day Donaldson, Suicide and Depression Linked to Pesticides, bit.ly/1TVIbed, creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Ein Problem stellen auch potenziell allergene Substanzen in den gentechnisch veränderten Pflanzen dar. Ihre Wirkung auf das Immunsystem ist noch nicht vollständig erforscht. Doch es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass zusätzliche Proteine allergische Reaktionen verstärken können.

Ein weiteres Risiko liegt außerdem im Anbau transgener HR-Pflanzen, der mit der Verwendung eines bestimmten Herbizids, meistens "Roundup" mit dem Wirkstoff Glyphosat, verbunden ist: Unabhängige wissenschaftliche Studien zeigen, dass Glyphosat und seine Abbauprodukte der Gesundheit von Menschen und Tieren schaden können. Das massenhaft ausgebrachte Spritzmittel ist darüber hinaus auch wegen seiner giftigen Zusatzstoffe, der sogenannten POE-Tallowamine, in die Diskussion geraten. Diese Zusatzstoffe erhöhen die Giftigkeit des Glyphosats und erleichtern den Eintrag des Gifts in die Nahrungskette.

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